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26
Jul 10

Loveparade-Unglück und Verzerrung der Medien

Die heuchlerische Anteilnahme der Medien und der Nation an den Toten des Loveparade-Unglücks, wiederstrebt mir aus zwei Gründen.

Erstens steckt dahinter die Sensationslust und der Voyeurismus von uns allen, der allgemein in den Medien und speziell in den Boulevardmedien bedient und ausgenutzt wird.

Zweitens wird es in den Medien leider wesentlich prominenter behandelt als viel grausamere Todesfälle die täglich und in beängstigender Anzahl passieren. Aber diese hätten viel dringender, um vielleicht zu einer besseren Welt zu führen, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung verdient,  im Gegensatz zu Unfällen, die immer wieder passieren und im großen Stil die Titelseiten der Zeitungen füllen. Das Unglück wird als Verbrechen untersucht, die “Verantwortlichen” werden denunziert und alle der zwar unglücklichen aber zufälligen Ereignisse und Umstände, die dazu führten, sind bis ins kleinste breit getreten.

Heute ist das erste Drittel der Tagesthemen-Internetseite zum Thema “Loveparade-Katastrophe” gefüllt. Aber das Bradley Manning (wahrscheinlich) und Wikileaks ungeheure Arbeit leisten, um zu belegen, was in Afghanistan Tagesordnung ist (die Ermordung von unschuldigen Zivilisten unter dem Deckmantel unserer Sicherheit), taucht im unteren Drittel auf. Für mein Verständnis, steht das in einem falschen Verhältnis. Auch wenn ein paar Medien heute mehr Kompetenz bewiesen haben, fand ich das gleiche Schema in den privaten Unterhaltungen wieder.

Es darf und muss über das Unglück berichtet und getrauert werden, aber es kann für die Allgemeinheit doch letztendlich nicht höher bewertet werden, als die zahlreichen größeren Katastrophen und schrecklichen Situationen die Mitmenschen auf unserem Planeten betreffen. Die Empathie, die falsch verteilt ist, was durch die Medien nur repräsentativ (siehe erstens) wiedergegeben wird, wäre an anderer Stelle besser eingesetzt, um politisch Druck aufzubauen. Die Welt ist nicht, wie sie ist; wir bringen sie in jedem Moment neu hervor.


19
Jun 10

Gerüchte von der Front

Man munkelt, mit der gescheiterten Top-Kill Aktion, bei der mit hohem Druck über zwei Tage lang bis zu 13.000 Liter Schlamm pro Minute in das Bohrloch geschossen wurden, ist das Steigrohr beschädigt worden. Wie tief die Stelle liegt, ist nicht genau bekannt. Falls das Zutrifft, tritt das Öl unterirdisch in den umliegenden Meeresboden.

Dabei muss man sich die Dimensionen des Problems klar machen: 1500 Meter unter der Wasseroberfläche beginnt das Rohr, mindestens weitere 300m tiefer ist es – wie sich andeutet – beschädigt. Dort tritt das Öl mit ungeheurem Druck aus und verteilt sich kilometerweit im felsigen und schlammigen Meeresboden, aus dem es sich dann unzählige Wege suchen wird, um in den Golf zu gelangen. Niemand wird das je unter Kontrolle bekommen.

Es sind angeblich noch 95%-97% des Öls in der Quelle – wobei ich nicht weiß, ob die 100% ursprünglich oder seit dem Unfall gerechnet werden. Aber in absoluten Zahlen: geschätzte 7.000.000.000 Liter.

Die Top-Kill Aktion wurde nicht ohne Gründe erfolglos abgebrochen, einer davon können die verursachten Schäden am Steigrohr sein. Und BP hat auch nicht grundlos angekündigt, das vor August nichts unter Kontrolle ist.

Müssten sie das Gerücht bestätigen, würden sie es nur langsam in vollem Umfang ans Tageslicht kommen lassen. Niemand hätte den Mut es direkt auszusprechen und offen zu kommunizieren. Erst recht nicht in der Ölindustrie, die grundsätzlich gegen jede Nachhaltigkeit und informierte Konsumenten ist. Bei diesen Krisenmanagern kann es nicht nur eine Befürchtung sein, dass uns das Schlimmste bisher vorenthalten wurde – so funktioniert deren Kommunikationskultur. Geheimhaltung ist ihnen aber auch nicht möglich – die Öffentlichkeit wird seit Wochen sukzessiv mit dem gesamten Ausmaß konfrontiert. In dieser Manier wird es auch noch weitergehen, wahrscheinlich über Jahre.

Wie gesagt, es wird bisher nur gemunkelt. Weshalb auch noch nichts in den Mainstream Medien zu lesen ist. So wie es aussieht, kann das aber nur eine Frage der Zeit sein.

Auf der deutschen Wikipedia Seite gibt es bereits einen Abschnitt dazu.

Auf diesem Blog sind die andeutenden Statements und Interviews zusammengefasst.

Update: Die Methode, die jetzt genommen wird heißt Bottom-Kill, wobei neben der eigentlichen (fast 6000m tiefen) Bohrung weitere Bohrungen auf gut 5000m durchgeführt werden, über die dann das Steigrohr seitlich angebohrt wird, um hier direkt den versiegelnden Schlamm reinzudrücken. Dadurch wären theoretisch auch höher liegende Beschädigungen außer Kraft gesetzt. Fraglich ist, wie lange es dauert, dass 18cm breite Rohr in 4500m Tiefe zu treffen und wie viel Öl bis dahin im Meeresboden steckt. Wenn es fehlschlägt, bringt die Methode möglicherweise ein zweites Leck. So wie es aussieht, sind aber alle anderen Lösungsvorschläge (Absaugen, Top-Hat, Top-Kill)  bereits gescheitert.


16
Jan 10

Kognitive Verzerrung

Es ist bekannt, das ich ein Google Fan bin. Mein Google Handy, das ich vorgestern beim Snowboarden verloren habe, wurde am Abend sofort wieder neu geordert. Und ich lese neben den Google Blogs auch viele News zu dem Unternehmen, ob positiv oder negativ. Bei den positiven News kann ich nur meine Unterstützung aussprechen und sehe meine Meinung bestätigt, bei den negativen Nachrichten kann ich zwar die Argumente und Besorgnisse nachvollziehen, habe aber meine eigene Sichtweise der Dinge, ausreichend Gegenargumente und Gleichgesinnte.

Das Verhalten fällt unter kognitive Verzerrung und genauer Bestätigungsfehler bzw. Confirmation Bias und besagt, dass, wenn jemand erstmal eine bestimmte Meinung hat, er versucht diese immer wieder bestätigt zu sehen. Selbstbetrug quasi. Argumente für die eigene Meinung werden bestätigend angenommen (mit innerlichem Schulterklopfen) und nicht hinterfragt – Argumente gegen die eigene Meinung werden aufs kleinste geprüft, ignoriert oder herabgesetzt. Googlet die Person zu dem kontroversen Thema ist Aufgrund der Suchwörter quasi vorprogrammiert das nur Pro-Seiten gefunden werden.

Die Konsequenzen sind sehr einseitige und eingeschränkte Informationsquellen zum Beispiel bei Online Nachrichten Seiten, die man sich selbst auswählt. Es werden genau die Seiten besucht, die sowieso schon zu den persönlichen Meinungen und Weltbildern passen. Es werden entsprechende Bücher gelesen, in entsprechenden Personenkreisen diskutiert, Fernsehsendungen gesehen, Events besucht… Konfrontation wird vermieden. Ist ja auch bequemer.

  • Wie will man den Klimawandel mit einem Buch stoppen, das nur von bereits alarmierte Personen gelesen und von den wirklich Verantwortlichen ignoriert wird?
  • Wie sagt man Diabetes Risikogruppen worauf sie achten sollen, wenn es eh nur Leute hören wollen die bereits eine Affinität für bewusste Ernährung haben?
  • Wie kann man behaupten, dass Fleischverzicht ungesund ist, ohne es probiert zu haben oder wenigstens verschiedene fundierte Quellen bemüht zu haben?

Das ist nicht die Regel aber das überwiegende Verhalten und die Natur des Menschen. Dazu kommen viele Facetten des Confirmation Bias: Die zuerst gelernte Meinung dominiert, an Pro-Argumente erinnert man sich leichter, Gegenargumente verstärken nur die eigene Meinung usw., usf. . Das hat nicht nur Konsequenzen für die eigene Meinung sondern ist insbesondere ein Problem in öffentlichen Ämtern, Politik, Gesetzgebung oder Wissenschaft.

Was für mich damit einhergeht ist Intoleranz, Engstirnigkeit, Ignoranz, Verblendung gegenüber neuen Einflüssen. Außerdem auf Informationsarmut basierte Angst die von Regierungen, Unternehmen und Organisationen ausgenutzt wird (Krieg, Krankheiten, Versicherungen, Klimawandel, …).

Das Problem liegt in der Psychologie des Menschen. Das trifft auch auf dich zu – man hält seine eigene Meinung gerne für unantastbar rational: Mediziner haben dazu die Frage “Lassen sich Ärzte von Geschenken aus der Pharmabranche beeinflussen?” bejaht und die Frage “Lassen Sie sich davon beeinflussen?” verneint (der Bias-Blind-Spot). Notwendig ist eine Reflexion der eigenen Meinung und Offenheit gegenüber neuen Thesen oder Entwicklungen. Eine ehemals richtige Meinung kann heute falsch sein (Status-Quo-Bias).

Deshalb habe ich meine Standardsuchmaschine mittlerweile von Google auf Ixquick umgestellt (speichert keine Nutzerdaten) und deshalb habe ich gestern den Dokufilm “Die Obama Täuschung” von Alex Jones (deutsch oder englisch) gesehen. Damit habe ich mein Lieblings-Unternehmen und mein Lieblings-Hoffnungsträger hinterfragt und ganz neue Ansichten gewonnen, die ich nur jedem wünschen kann.

  • Tut Google nur Gutes?
  • Ist Obama eine Mariounette?
  • Gibt es gesünderen Tee als Jasmintee?
  • Lebt Michael Jackson?
  • Ist Fleisch notwendig für die Gesundheit?
  • Was passiert 2012?
  • Sind die Wighnomy Brothers schlechter geworden und haben deshalb aufgehört?
  • Was noch?

Außerdem kann ich für zwei andere Videos werben, die ich gestern und heute gesehen habe:


28
Nov 09

“Android ist ein Hype”

Genau Herr Vanjoki. Apple ist auch ein Hype und China sowieso.

Auch auf Nokias Chefetage trifft zu: Wer seine Gegner nicht kennt, kann auch nicht gewinnen.

Mir recht – Nokia war mir schon immer suspekt.