Loveparade-Unglück und Verzerrung der Medien

Die heuchlerische Anteilnahme der Medien und der Nation an den Toten des Loveparade-Unglücks, wiederstrebt mir aus zwei Gründen.

Erstens steckt dahinter die Sensationslust und der Voyeurismus von uns allen, der allgemein in den Medien und speziell in den Boulevardmedien bedient und ausgenutzt wird.

Zweitens wird es in den Medien leider wesentlich prominenter behandelt als viel grausamere Todesfälle die täglich und in beängstigender Anzahl passieren. Aber diese hätten viel dringender, um vielleicht zu einer besseren Welt zu führen, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung verdient,  im Gegensatz zu Unfällen, die immer wieder passieren und im großen Stil die Titelseiten der Zeitungen füllen. Das Unglück wird als Verbrechen untersucht, die “Verantwortlichen” werden denunziert und alle der zwar unglücklichen aber zufälligen Ereignisse und Umstände, die dazu führten, sind bis ins kleinste breit getreten.

Heute ist das erste Drittel der Tagesthemen-Internetseite zum Thema “Loveparade-Katastrophe” gefüllt. Aber das Bradley Manning (wahrscheinlich) und Wikileaks ungeheure Arbeit leisten, um zu belegen, was in Afghanistan Tagesordnung ist (die Ermordung von unschuldigen Zivilisten unter dem Deckmantel unserer Sicherheit), taucht im unteren Drittel auf. Für mein Verständnis, steht das in einem falschen Verhältnis. Auch wenn ein paar Medien heute mehr Kompetenz bewiesen haben, fand ich das gleiche Schema in den privaten Unterhaltungen wieder.

Es darf und muss über das Unglück berichtet und getrauert werden, aber es kann für die Allgemeinheit doch letztendlich nicht höher bewertet werden, als die zahlreichen größeren Katastrophen und schrecklichen Situationen die Mitmenschen auf unserem Planeten betreffen. Die Empathie, die falsch verteilt ist, was durch die Medien nur repräsentativ (siehe erstens) wiedergegeben wird, wäre an anderer Stelle besser eingesetzt, um politisch Druck aufzubauen. Die Welt ist nicht, wie sie ist; wir bringen sie in jedem Moment neu hervor.

Tags: , , , , , , ,

2 comments

  1. Ich sehe das anders.

    Es gibt mit Sicherheit jeden Tag schrecklichere Ereignisse als das was in Duisburg passiert ist. Dennoch ist es eben in Duisburg passiert und somit haben viel mehr Deutsche einen Bezug dazu. Es waren über 1 Million Menschen dort. Fast jeder kennt jemanden der dort war. Außerdem war es eben kein Unfall sondern grob fahrlässiges Verhalten was zur Tragödie geführt hat. Die Medien, so sensationsgeil sie auch sind, haben die Pflicht das aufzuklären und auch Druck auszuüben auf die Verantwortlichen.

    Um das mal zu vereinfachen was ich sagen will: Wenn dein geliebter Hund überfahren wird (ok hast keinen) ist das für dich erstmal die wichtigste Nachricht für dich. Weil es dich direkt betrifft. Da ist es dir Relativ egal was grad sonst passiert.

    Will sagen , die Tragödie von Duisburg betrifft viel mehr Menschen in Deutschland. Natürlich gibt es einen Overload und viele nutzlose Informationen und die auch 10000 x pro Tag. Aber es gab zum Beispiel auf spiegel.de viel Informationen über den Wikileaks Vorfall und außerdem auch als Top story die meiste Zeit des Tages. Man muss sich seine Quellen natürlich gut aussuchen und muss auch einordnen ob und was wirklich wichtig ist

    Man sollte den deutschen Medien auch zugutehalten nicht alles gezeigt zu haben. Zum Beispiel keine Bilder von Leichen oder keine persönlichen Details aus dem Leben der Opfer.

    Naja wie dem auch sei war das für mich in letzten Tagen auch das Thema was mich am meisten interessiert hat. Und das nichts mit der Sensation zu tun sondern eher mit der emotionalen Bindung zum Thema.

  2. Right. Es betrifft viele Menschen und wie gesagt, kann und muss darüber berichtet werden. Das Loveparade-Unglück ist auch nur der Aufhänger und austauschbar durch jede Massenkarambolage oder x-beliebige Schickedanz-Schicksäler.

    Jedenfalls ist mir in den privaten Diskussionen aufgefallen, wie unverhältnismäßig Anteil genommen wird an den Fällen. Auf der einen Seite Unglücke, wo das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und persönliche Betroffenheit und Sensationslust (die bei vielen nicht abgetan werden kann, z.B. meiner Mutter :) ) der Antrieb ist (beide sind imho natürlich und berechtigt). Aber auf der anderen Seite die fehlende Anteilnahme an absolut gesehen weit schlimmeren und umfangreicheren Problemen, die an der Tagesordnung sind und wo eine Verbesserung der Lage möglich ist.

    Ich finde es schade, das man persönliche Betroffenheit braucht und am besten eine möglichst simpel darzustellende und nachvollziehbare Katastrophe, um ernsthaft Anteil zu nehmen. Und das andere Probleme (die unsere Gesellschaft mitverursacht), weniger Medienpräsenz haben; weil weniger Interesse in der Bevölkerung, weil für sie weiter entfernt, zu komplex und/oder direkte Betroffenheit fehlt. Das ist, wenn auch menschlich und verständlich, verzerrt. :/

    thx for comment. ;)

Leave a comment