Für den Verstand


9
Aug 10

Meisten-Bashing

Die meisten Menschen zitieren Sprüche, die auf die meisten (meist unvollkommenen) Menschen bezogen wurden, nehmen sich aber meistens selbst von der Zielgruppe aus. Meistens nehmen sich aber auch die meisten Anderen davon aus. Fragt sich, wer die Meisten sind, auf die sich meistens die Sprüche beziehen, wenn die Meisten sich davon ausnehmen.

Die Meisten irren.


26
Jul 10

Loveparade-Unglück und Verzerrung der Medien

Die heuchlerische Anteilnahme der Medien und der Nation an den Toten des Loveparade-Unglücks, wiederstrebt mir aus zwei Gründen.

Erstens steckt dahinter die Sensationslust und der Voyeurismus von uns allen, der allgemein in den Medien und speziell in den Boulevardmedien bedient und ausgenutzt wird.

Zweitens wird es in den Medien leider wesentlich prominenter behandelt als viel grausamere Todesfälle die täglich und in beängstigender Anzahl passieren. Aber diese hätten viel dringender, um vielleicht zu einer besseren Welt zu führen, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung verdient,  im Gegensatz zu Unfällen, die immer wieder passieren und im großen Stil die Titelseiten der Zeitungen füllen. Das Unglück wird als Verbrechen untersucht, die “Verantwortlichen” werden denunziert und alle der zwar unglücklichen aber zufälligen Ereignisse und Umstände, die dazu führten, sind bis ins kleinste breit getreten.

Heute ist das erste Drittel der Tagesthemen-Internetseite zum Thema “Loveparade-Katastrophe” gefüllt. Aber das Bradley Manning (wahrscheinlich) und Wikileaks ungeheure Arbeit leisten, um zu belegen, was in Afghanistan Tagesordnung ist (die Ermordung von unschuldigen Zivilisten unter dem Deckmantel unserer Sicherheit), taucht im unteren Drittel auf. Für mein Verständnis, steht das in einem falschen Verhältnis. Auch wenn ein paar Medien heute mehr Kompetenz bewiesen haben, fand ich das gleiche Schema in den privaten Unterhaltungen wieder.

Es darf und muss über das Unglück berichtet und getrauert werden, aber es kann für die Allgemeinheit doch letztendlich nicht höher bewertet werden, als die zahlreichen größeren Katastrophen und schrecklichen Situationen die Mitmenschen auf unserem Planeten betreffen. Die Empathie, die falsch verteilt ist, was durch die Medien nur repräsentativ (siehe erstens) wiedergegeben wird, wäre an anderer Stelle besser eingesetzt, um politisch Druck aufzubauen. Die Welt ist nicht, wie sie ist; wir bringen sie in jedem Moment neu hervor.


20
Apr 10

Vom Glaubenden Zum Wissenden

In der Gegenüberstellung vom Glauben zweier Personen wird jede der Personen vom Glaubenden zum Wissenden.

Ohne den Wunsch des Wissens für sich selbst gehabt zu haben und ohne je den Gegenüber in seinem Glauben bestärken  zu wollen, machen sie sich gegenseitig zu Wissenden, nur aufgrund der Gegenseitigkeit, und ausschließlich in der Gegenüberstellung.

Glaube meint hier nicht religiösen Glauben, sondern eine Meinung/Einstellung zu einem Thema.

Der Satz soll heißen, dass sich in einer Diskussion (bzw. als Anfang) ausgesprochene gegensätzliche Meinungen, seien sie ursprünglich auch noch so schwach ausgeprägt, aus der Natur der Sache heraus automatisch verhärten, weil versucht wird, seine ursprüngliche Aussage zu untermauern und zu vermitteln. Der Effekt entsteht aus der Dynamik der Diskussion: Umso weiter vorangeschritten wird, umso schmerzlicher wird es, die vertretene Seite aufzugeben, umso mehr wird an ihr festgehalten. Das Problem ist, indem versucht wird an ihr festzuhalten, fokussiert niemand die Wahrheit, um die es eigentlich geht. Egal wer sie hat (oder beide oder niemand), die Diskussion soll ermöglichen sie zu finden, vermitteln und weiterzuentwickeln.

Der denkende Mensch kann zwar seine Meinung ändern, aber dafür muss erst mal der Krampf des Festhaltens gelöst werden. Zum Beispiel indem man gar nicht erst verkrampft, sich mehr der Meinung des Gegenübers widmet und eine Entscheidung erst trifft, wenn alles nachvollzogen und begriffen wurde. Gelassen den geistigen Ergüssen des Gegenüber zuzuhören, ist die begehrte Rolle des “klügeren”. Fraglich bleibt, was einem die Rolle bringt, da ja niemand weiß, dass man angeblich so schlau gehandelt hat? In der Konsequenz hoffentlich unabhängigeres Denken, sowohl von seiner eigenen Person (Stolz, Erfahrungen, ..), wie auch von äußeren Einflüssen. Das wiederum ermöglicht ein klareres und beständigeres Urteil oder lässt einen neue Fragestellungen aufdecken, die zu der Wahrheit hinführen können.

Stimmt es, wie gerade beschrieben, dass aus der Rolle des Klügeren unabhängiges Denken folgt? Oder ist es umgekehrt? Eher ist es eine gegenseitiges Fördern. Die stärkere Gewichtung liegt trotzdem auf ersterem, denn das besonnene Zuhören ist Voraussetzung und schafft Freiheit zum Verstehen und reflektieren, ist ein Spagat zu beiden Meinungen ohne ständiges Dauerfeuer der eigenen Argumente, erlaubt das Zusammenführen und Bewerten.

Zurück zum Ursprungsgedanken, dass die Meinungen verhärten. Es soll heißen, dass man sich im Laufe einer solchen Auseinandersetzung weit vom Gegenüber entfernen kann, obwohl man ursprünglich dicht beieinander war, oder gar in die gleiche Richtung dachte, nur unterschiedlich stark ausgeprägt. Zusätzlich entfernt man sich genauso leicht und unbemerkt vom eigenen Ausgangspunkt (wenn schwach ausgeprägte Meinung zu angeblicher Überzeugung wird). Das sich entfernt wird, gründet in einer Differenz (sei sie noch so kleinen) die, erst mal ausgesprochen, in der Dynamik der Gegenüberstellung wächst, indem die beteiligten stärker an ihr festhalten als zuvor, weil sie Ausdruck und Teil ihrer Selbst geworden ist.

Das zu unterlassen ist, wie so oft, einfacher gesagt als getan. Eine Meinung für sich selbst zu finden geht problemlos (ob aktiv oder passiv), sie in der Diskussion prüfen zu lassen und dann entweder aufzugeben oder bestätigt zu bekommen ist ein anderes Thema. Letztendlich gehört schon zu den schlaueren unserer Spezies, wer es überhaupt schafft, in einer aufbrausenden Diskussion bei dem Thema zu bleiben und den Überblick über alle Aspekte zu bewahren. Und wie so oft, macht auch hier Übung den Meister und führt hoffentlich zu unabhängigerem denken.


7
Apr 10

Philosophie

Die Philosophie mag vielen als sekundär, vertan, inhalts- oder gegenstandslos, zu keinem greifbaren Ziel führend oder das Offensichtliche bzw. unveränderlich Gegebene sinnlos verkomplizierend und diskutierend erscheinen. Aber sie stützt ihren Zweck nicht darauf, wonach persönliche Beschäftigungsfelder gerne priorisiert werden: erreichbaren Status oder Materielles – weshalb sie leicht abgetan werden kann. Ich halte die Priorisierung danach auch nicht zwingend für falsch oder ein kulturelles Problem. Die generelle Niedermachung der heutigen Gesellschaft/Bürger/Moral etc. (im Sinne der aktuellen Bestsellerlisten: “Verblödetes Deutschland”, uvm.) liegt mir sowieso fern und ist mit Sicherheit weit weniger zu einem greifbaren Ziel führend. Über bleibt Philosophie trotzdem für viele als fragwürdige “Wissenschaft” ohne ernstzunehmende Resultate, so scheint mir zumindest. Um genau zu sein habe ich dies bezüglich letztes Jahr ähnlich negative Worte gegenüber einem Philosophiestudenten benutzt. :)

Nimmt man sie jedoch an, wird sie zu einer unvergleichlichen Herausforderung, in der der Verstand aufsteigt, bis man ihn überschreitet oder an die Grenzen des Denkens stößt. Das “Verstand aufsteigen lassen” kann als ein oben erwähnter erreichbarer und vermittelbarer begehrter Status erscheinen, ist aber nicht auf der Ebene vergleichbarer Intelligenz gemeint, sondern deutet eher persönliche geistige Freiheit und wahres Erkennen an, welches nicht mittelbar ist, sondern nur in einem Selbst. (Nicht das ich sie bisher erfahren hätte.. :P). Man kann den Status der simplen Bildung vorschieben, verfehlt dann aber die eigentliche Philosophie. Problemstellungen im Rationalen Denken sind für den Menschen nur eine Frage der Zeit um sie zu erfassen und zu lösen – Banalitäten, um es überspitzt auf den Punkt zu bringen. Das finden der philosophischen Wahrheit (nach Platon) jedoch ist nur ein kurzer Augenblick auf den man hineifern kann, sie ist aber nie zu ergreifen oder gar festzuhalten, nur ein Moment, den man zwischen Widersprüchen streift, an den Grenzen des Denkens, die das Höchste abverlangen.

Platon hat vor 2500 Jahren nicht nur den Grundstein dafür gelegt, er ist in seinem Denken angeblich nicht zu übertreffen. Mit Sokrates (Wissen vom Nichtwissen) hat er sich in den Dienst der Wahrheit gestellt. Ihre Schärfe beim Auftun von Widersprüchen – die der eigentliche Antrieb und Aufschwung des Denkens sind, verzweifeln lassen, nie Abschluss der Unterredung zulassen, nur Abbruch – und die Beherrschung der Methoden der Unterhaltung, in der Liebe zur Wahrheit (Eros), wurde nie wieder erreicht. Geht es um schöpferische Begabung oder Intellekt, fand keine Weiterentwicklung des Menschen statt.

Philosophie – aus griech. philein und sophia: Liebe zur Weisheit – meint nicht: Weisheit besitzen, sondern eher demütig, im Wissen der eigenen Unzulänglichkeiten, ihr gerecht werden zu wollen. Wer nicht nur inhaltliche Leere sehen will (auch in diesem Beitrag :p), für den wird sie eine ganz andere Art von Herausforderung im Denken bieten. Sie versucht unser Sein zu erleichtern. Wer sie kritisiert, der kann nur ernst genommen werden, wenn er sich vorher darauf eingelassen hat und ihr eigentliches Wesen begreift. Es wird nicht jedermanns Fall sein, sich dem anzunehmen und initiale Beweggründe zu finden, das ist auch gut so. Den Zweiflern gebe ich auch gerne einen Grund für ihr Zweifeln: “Götter philosophieren nicht, sie Wissen.” – aber nicht im Nichtwissen.. ;)


4
Apr 10

Sea of Love

Party ists, was ich begehre
Ein Sommerfest, das ich ersehne
Anspruchsvoll und sonn’bestrahlt
So hab ichs mir ausgemalt
Tanzen, Fotos, farbenfroh
Festival, ich spür dich scho!
Party ists, was ich begehre
Ein Sommerfest, das ich ersehne
Anspruchsvoll und sonn’bestrahlt
So hab ichs mir ausgemalt
Tanzen, Fotos, farbenfroh
Festival, ich spür dich scho!

3
Apr 10

Vollnarkose als Toderlebnis

Wenn mir bei dem Gedanken an den Tod plötzlich kotzübel wird bleibt mir nur Verdrängung entgegenzusetzen. Vielleicht noch die Hoffnung auf zufriedene Akzeptanz, wenn ich denn erstmal ein erfülltes Leben hatte, in dem Sinne, das es auch irgendwann mal genug sei mit meinem Treiben auf der Erde.

Die Anesthesistin hatte mich verarscht, als Sie meine Frage, ob die verabreichte Spritze schon das Narkosemittel war, verneinte. Denn der Dialog war das letzte, woran ich mich erinnerte, als ich wieder aufgewacht war. Wie ich in den OP Saal 6 geschoben wurde, auf den OP-Tisch gelegt wurde, aufgeschnitten wurde, zugenäht wurde, zurückgeschoben wurde, das alles ist nicht existent in meiner Erinnerung. Ich kenne es nur aus Erzählungen. Vielleicht war ich auch gar nicht in Saal 6, wie mir vorher gesagt wurde? Wer weiss. Ich erinnere mich auch nicht an das Einschlafen. Wie es sich angefühlt hat oder wie ich ausgesehen habe oder was ich gespürt habe oder wo ich war oder wer dabei war. Es fühlt sich auch nicht wie ein vergangener Traum an. Kein Licht, kein Tunnel, kein Knall.

Gehe ich davon aus, das der Tod so daherkommt wie eine Narkose, wär es ja relativ entspannt, um nicht zu sagen, absolut entspannt. Angst vor dem Sterben als Prozess an sich haben eh die wenigsten. Unbehagliche Unsicherheit über das was danach ist, schon eher. Gehen wir davon aus, das es so ist wie narkotisiert sein, ist es ebenfalls völlig entspannt, wenn es denn erstmal so weit ist.

Die Seele ist dahin. Was bei Bewusstsein eine schreckliche Vorstellung scheint, ist, erstmal eingetroffen, für die Seele selbst völlig irrelevant. Sie weiss nicht, dass sie nicht mehr existiert. Sie weiss nicht, dass sie existierte. Sie weiss nicht, dass es entspannend ist. Sie kann nicht bedauern. Sie weiss nicht, dass es so etwas wie Bedauern gibt oder gab oder überhaupt irgendetwas gibt oder gab.

Woher weiss ein eventueller Gott eigentlich, das ich nur narkotisiert bin? Er könnte mich ja irrtümlicherweise verfrüht vor dem jüngsten Gericht erscheinen lassen. Was dann? Oder woher weiss er, dass man nur einen Herzstillstand hat? Oder das man seit Jahren im Koma liegt und künstlich am leben gehalten wird?


14
Feb 10

China: Drei Monate – Drei Bücher

NYC, SF, LA, ATL, BOS, BALT, NEW.O, SAC, SEA

Wisst ihr für welche Städte die Kurzformen stehen? Bei asiatischen sähe es da wahrscheinlich nicht ganz so rosig aus. Unter anderem wegen dieser allgemeinen Unwissenheit was Asien/China angeht (insbesondere Historie und Kultur), habe ich mich dem Thema gewidmet. Ausserdem hielt ich die Ansichten von Helmut Schmidt allgemein für spannend, was mich auch zu dem ersten Buch gebracht hat in dem ein Dialog mit ihm über China aufgezeichnet wurde. Und weil man sich nie auf eine Sicht der Dinge begrenzen sollte, gab es noch zwei Bücher dazu.

Ohne groß rumsülzen zu wollen, wird der Eintrag eigentlich nur ein Recap von dem, was ich durch die Bücher gelernt habe.

Grob zu den Büchern:

  • Nachbar China hat die politischen Leitfiguren aus nächster Nähe (durch die Treffen Helmut Schmidts), Chinas Weltpolitik und die Herausforderungen im Inland beschrieben. (1950-2000)
  • Der Autor von Chinas Rebellen (gegen die Machthaber) hat die bedeutendsten Dissidenten aufgrund unzähliger Interviews und Treffen hautnah beschrieben. Ihre Ansichten, Lebensgeschichten, Einflüsse, Beweggründe, Geschichte. Das Buch betrachtet im Gegensatz zu Nachbar China, die politische Situation aus Sicht der unteren Bevölkerungsschicht und nicht aus Sicht der Entscheider. Die Historie und Kultur von Singapur, Taiwan, Hongkong und China selbst kommt dabei nicht zu kurz.
  • Chinas Geschichte im 20. Jahrhundert ist einfach eine trockene Aneinanderreihung der Ereignisse, von denen viele nur angeschnitten werden. (zusammen vllt. 3 Seiten über Rebellen, verglichen mit 400 Seiten im vorherigen Buch dazu.)

Die Bücher in umgekehrter Reihenfolge zu lesen hätte mir einiges an Nachschlagen bei Wikipedia erspart, vorausgesetzt ich wäre dann über das sehr trockene erste Buch hinausgekommen. Chinas Rebellen war definitiv das beste Buch – vom Schreibstil sowie von den Einblicken in Chinas Entwicklung und Kultur her.

Ausserdem hat es mir klar gemacht, dass China nicht gleich China ist. Geographisch ist es genauso unbefriedigend definiert wie ethnisch. Von der Diaspora (Exilanten) abgesehen, gibt es da Singapur, Taiwan, Hongkong und Tibet die mehr oder weniger zu China verbunden sind (SP) oder dazu gehörten (Taiwan) oder wieder gehören (HK) oder immer noch nicht wirklich gehören (Tibet).

In China selbst sind die riesigen Dimensionen im Inland klar geworden und welche Herausforderungen das für die Politik schafft(e). Zum Beispiel gab zwei wesentlich unterschiedliche religiöse bzw. philosophische Bewegungen bis Anfang des 20. Jahrhunderts: Konfuzianismus und Daoismus (Norden und Süden) mit massiven kulturellen Unterschieden. Der Daoismus hat schon gegen Ende das Kaisertums an Bedeutung verloren, der Konfuzianismus ab 1915. Seit dem herrscht relative religiöse Orientierungslosigkeit. Wobei die beiden Lehren im 20. Jahrhundert immer wieder auftauchten und auch der Buddhismus eine Rolle spielt. Viele sehen gar das Christentum als Voraussetzung zur Demokratie und Neuzeit. Ausserdem gibt es aktuell 30? 60? Minderheiten (ethnisch, religiös) die offiziell anerkannt werden aber in Praxis weiterhin oft diskriminiert werden nur nicht mehr so offiziell wie vor den 80ern.

Die riesigen Dimensionen beziehen sich auch auf die Sprache die diverse Dialekte hat, die sich wesentlicher von einander unterscheiden als “noch da Wiesn bin i owai so daloawed” und “daans opp de deel”. Ausserdem sind da noch die allgeminen geographischen Unterschiede und die Weitläufigkeit Chinas. Wie hielt man ein politisches System in den 50ern über tausende von Kilometern aufrecht?

Machen wir’s kürzer… Ich habe ne ganze Menge Fakten über Chinas Geschichte gelernt:

  • Die politischen Schlüsselfiguren der verschiedenen Phasen (Sun Yatsen, Chiang Kaishek, Mao Zedong, Deng Xiaoping, Jiang Qing (w), Hua Guofeng, Chen Yun, soll reichen…)
  • Die Kaiserreiche bis 1911 mit ihrer Gewalt, Unterdrückung und Kriegen
  • Der ständige Imperialismus durch die USA, GB und Japan
  • Die ständige Zersplitterung im Inland und politisches Chaos zwischen 1911 und 1949
  • Die beiden primären politischen Parteien Guomindang und Kommunistische Partei (die in den Anfangsphasen auch kooperiert haben gegen den Imperialismus und Warlords)
  • Die verschiedenen Bewegungen:
  • Boxeraufstand (1900) gegen den Imperialismus
  • 4. Mai Bewegung (1919): kulturelle Revolution, Abkehr vom Konfuzianismus, Boykotte, Proteste
  • Hunder-Blumen-Kampagne (1957): Verarschung der KP-Kritiker, die dann alle abgeschlachtet wurden.
  • und diverse andere
  • Politische Phasen (Kaiserreich, Chaos, Diktatur, Bürgerkriege, Ein-Parteien-System, Öffnungspolitik, Kapitalismus)

Und viele viele viele andere Sachen. Mein Gott, ich könnte fast nen Buch schreiben, so lang sollte das hier gar nicht werden. :)

Das 20. Jahrhundert war voller Unterdrückung, Imperialismus, Kriege, Bürgerkriege, Gewalt, Hungersnöte und Veränderungen. Und vorher war es eigentlich auch nie besser. Es gab unter Mao Zedong ab 1949 totale Instabilität und ein hin und her. Es war eine quasi Diktatur die sich als demokratisch bezeichnete, wobei demokratisch hieß: “im Sinne der Bürger”. Mao hat die Reichen enteignet und kommunistische Verhältnisse geschaffen (Mitte der 50er gab es keine Privatwirtschaft mehr), er war lange in Moskau und hat sich alles abgeguckt. Er hat den Bürgern immer mehr abverlangt und im “großen Sprung nach vorne” endete alles in einer 3 jährigen Hungerkatastrophe.

Die Zahlen die Mao bekommen hat waren alle verschönlicht, durch seine ständige Tyrannei der Bürger und innerhalb der Partei hat sich niemand getraut die Wahrheit zu sagen: Alles läuft falsch und du bist nen Idiot. Das Problem einer Diktatur ist, das Fehler zu spät erkannt werden, weil keine offene Diskussion stattfinden kann. In Demokratien dauert dafür alles länger und Fehler sind auch nicht ausgeschlossen…

So gesehen war die KP aber nie ein wirkliches Ein-Parteien-System. Innerhalb der Partei gab es diverse Gruppen was insbesondere nach Maos Tod zu spüren war. Ein hin und her um die Öffnung Chinas zum Weltmarkt. Deng Xiaoping hat sich letztendlich durchgesetzt und der Kapitalismus kam nach seinem Tod mit seinen Vorteilen (Kapital, Wohlstand für Teile der Bevölkerung und Regionen, Weiterentwicklung, Investitionen) und mit seinen Nachteilen (Kluft zw. reich und arm, Umwelt, Kapital,…).

Militärisch gesehen hat sich China übrigens nach dem Kaiserreich eigentlich immer nur defensiv gegen andere Staaten verhalten (außer Koreakrieg?). Japan hingegen hat China bei diversen Gelegenheiten angegriffen. China ist selbst heute noch eine militärische Kleinmacht.

Unterdrückung findet auch heute noch statt, as u know. Am 1. Weihnachtstag 2009 wurde Liu Xaiobo zu 11 Jahren Haft verurteilt wegen der Charta 08 die von 5000 chinesischen Intellektuellen unterzeichnet wurde. Vor 4 Tagen hat Tan Zuoren 5 Jahre haft bekommen. Andererseits haben die Chinesen heute mehr Freiheiten und Wohlstand als je zuvor. Wer sich nicht öffentlich kritisch an der KP äußert oder in regierungsfeindlichen Organisationen ist, kann ziemlich frei leben und das ist ein gewaltiger Fortschritt für viele. Nach unseren Maßstäben leider immer noch ziemlich schwach.

Das Lügen bzw. listige an den Asiaten im allgemeinen, die sich ja durch Wirtschaftsspionage einen Namen gemacht haben, ist noch ein interessantes Thema. Ohne bewerten zu wollen find ich diese kulturellen Unterschiede echt Interessant. Im asiatischen gilt es als angesehen, wenn man listig ist und die listen bzw. wahren Absichten anderer durchschaut. Das schlechte Gewissen, welches wir uns immer einreden, ist eine rein christliche Erfindung. Im Christentum läuft alles auf Bestrafung (Schuld) durch Gott oder die Hölle hinaus. In China gilt hingegen eher Scham als Schuld: Ein ehrlicher Mensch müsse nicht immer die Wahrheit sagen, solange er reine Absichten habe. Die Rechtfertigung vor einer höheren Macht spielt keine Rolle, nur vor sich selbst. Man sagt nie, was man wirklich denkt und möchte…

Die Medien wurden früher für Propaganda benutzt heute werden sie immer noch komplett zensiert. Zitat Vaclav Havel: “Die Macht muß fälschen, weil sie in ihren eigenen Lügen gefangen ist.” Die Machthaber haben in China immer große Veränderungen zu verantworten, aber die KP wollte nie das politische System ändern… um Chaos zu vermeiden und Stabilität zu halten. Ja ne, is klar.

Ich werd mich in nächster Zeit dem Daoismus/Taoismus widmen. Nach den ersten Eindrücken würde ich sagen, das die Lehre möglicherweise ein hervorragender Ausgleich zum Kapitalismus sein kann. Ausserdem stützt er sich auf keine höheren Wesen oder heiligen Texte sondern basiert auf dem Einklang von Natur, Körper und Geist und basiert auf Yin und Yang, nicht Gut und Böse, usw. usf. Wir werden sehen.

Zum Abschluss noch ein Zitat von Helmut Schmidt: Ich möchte nicht wissen, wie viele junge Deutsche ihr Recht wählen zu gehen gegen ein neues Auto tauschen würden.


16
Jan 10

Kognitive Verzerrung

Es ist bekannt, das ich ein Google Fan bin. Mein Google Handy, das ich vorgestern beim Snowboarden verloren habe, wurde am Abend sofort wieder neu geordert. Und ich lese neben den Google Blogs auch viele News zu dem Unternehmen, ob positiv oder negativ. Bei den positiven News kann ich nur meine Unterstützung aussprechen und sehe meine Meinung bestätigt, bei den negativen Nachrichten kann ich zwar die Argumente und Besorgnisse nachvollziehen, habe aber meine eigene Sichtweise der Dinge, ausreichend Gegenargumente und Gleichgesinnte.

Das Verhalten fällt unter kognitive Verzerrung und genauer Bestätigungsfehler bzw. Confirmation Bias und besagt, dass, wenn jemand erstmal eine bestimmte Meinung hat, er versucht diese immer wieder bestätigt zu sehen. Selbstbetrug quasi. Argumente für die eigene Meinung werden bestätigend angenommen (mit innerlichem Schulterklopfen) und nicht hinterfragt – Argumente gegen die eigene Meinung werden aufs kleinste geprüft, ignoriert oder herabgesetzt. Googlet die Person zu dem kontroversen Thema ist Aufgrund der Suchwörter quasi vorprogrammiert das nur Pro-Seiten gefunden werden.

Die Konsequenzen sind sehr einseitige und eingeschränkte Informationsquellen zum Beispiel bei Online Nachrichten Seiten, die man sich selbst auswählt. Es werden genau die Seiten besucht, die sowieso schon zu den persönlichen Meinungen und Weltbildern passen. Es werden entsprechende Bücher gelesen, in entsprechenden Personenkreisen diskutiert, Fernsehsendungen gesehen, Events besucht… Konfrontation wird vermieden. Ist ja auch bequemer.

  • Wie will man den Klimawandel mit einem Buch stoppen, das nur von bereits alarmierte Personen gelesen und von den wirklich Verantwortlichen ignoriert wird?
  • Wie sagt man Diabetes Risikogruppen worauf sie achten sollen, wenn es eh nur Leute hören wollen die bereits eine Affinität für bewusste Ernährung haben?
  • Wie kann man behaupten, dass Fleischverzicht ungesund ist, ohne es probiert zu haben oder wenigstens verschiedene fundierte Quellen bemüht zu haben?

Das ist nicht die Regel aber das überwiegende Verhalten und die Natur des Menschen. Dazu kommen viele Facetten des Confirmation Bias: Die zuerst gelernte Meinung dominiert, an Pro-Argumente erinnert man sich leichter, Gegenargumente verstärken nur die eigene Meinung usw., usf. . Das hat nicht nur Konsequenzen für die eigene Meinung sondern ist insbesondere ein Problem in öffentlichen Ämtern, Politik, Gesetzgebung oder Wissenschaft.

Was für mich damit einhergeht ist Intoleranz, Engstirnigkeit, Ignoranz, Verblendung gegenüber neuen Einflüssen. Außerdem auf Informationsarmut basierte Angst die von Regierungen, Unternehmen und Organisationen ausgenutzt wird (Krieg, Krankheiten, Versicherungen, Klimawandel, …).

Das Problem liegt in der Psychologie des Menschen. Das trifft auch auf dich zu – man hält seine eigene Meinung gerne für unantastbar rational: Mediziner haben dazu die Frage “Lassen sich Ärzte von Geschenken aus der Pharmabranche beeinflussen?” bejaht und die Frage “Lassen Sie sich davon beeinflussen?” verneint (der Bias-Blind-Spot). Notwendig ist eine Reflexion der eigenen Meinung und Offenheit gegenüber neuen Thesen oder Entwicklungen. Eine ehemals richtige Meinung kann heute falsch sein (Status-Quo-Bias).

Deshalb habe ich meine Standardsuchmaschine mittlerweile von Google auf Ixquick umgestellt (speichert keine Nutzerdaten) und deshalb habe ich gestern den Dokufilm “Die Obama Täuschung” von Alex Jones (deutsch oder englisch) gesehen. Damit habe ich mein Lieblings-Unternehmen und mein Lieblings-Hoffnungsträger hinterfragt und ganz neue Ansichten gewonnen, die ich nur jedem wünschen kann.

  • Tut Google nur Gutes?
  • Ist Obama eine Mariounette?
  • Gibt es gesünderen Tee als Jasmintee?
  • Lebt Michael Jackson?
  • Ist Fleisch notwendig für die Gesundheit?
  • Was passiert 2012?
  • Sind die Wighnomy Brothers schlechter geworden und haben deshalb aufgehört?
  • Was noch?

Außerdem kann ich für zwei andere Videos werben, die ich gestern und heute gesehen habe:


9
Nov 09

Mehr Schweden braucht die Welt

Folgende SPON News hat heute mein Herz höher schlagen lassen:

Lebensmittel-Kennzeichnung: Futtern für das Klima

Auch wenn ich auf Bali wegen der allgemein verbreiteten schwachen Gehirnleistung hier nicht groß drüber nachdenken konnte, hat es mich unglaublich gefreut, dass bei dem Thema eine Nation vorangeht. Typisch für die Schweden ziehen die solche Reformen unabhängig vom restlichen Europa einfach durch ohne drei Jahrzehnte über die Details zu diskutieren.

Sie haben genau die richtige Einstellung und fangen erstmal “klein” an: die Kennzeichnung gilt vorerst nur für viele inländische Fabrikate – Importe sollen folgen.

In Deutschland und der restlichen EU diskutiert die Politik nur über Autos und Stromversorgung und selbst hier geht es nur in Micro-Schritten voran. Wie im Artikel zu lesen ist, verursacht unsere Ernährung 20-30 Prozent der täglichen Umweltschäden (ich würde es noch höher einschätzen).

Unglaublich ist auch, wie problemlos oder fast selbstverständlich die Nahrungsmittelindustrie bis hin zu skandinavischen Fast-Food Ketten bei der Initiative mitmachen. Die Lebensmittel-Kennzeichnung ist ein riesen Schritt für mehr Bewusstsein bei den Bürgern: “What get’s measured get’s improved”. Als Konsument stehe ich jedesmal wieder fragend im Geschäft vor den Regalen und kann immer nur erahnen, mit welchen Artikeln ich besser liege.

Helge fand die Aktion leider nicht so bahnbrechend, wie ich. Vielleicht äußert er sich ja mal in den Comments, ich bekomme die Argumente nicht mehr zusammen. :)


4
Okt 09

Amazon versendet auch Sonntags?

Habe gerade eine Versandbestätigung von Amazon bekommen. Am Sonntag? Kommt das Paket morgen an?