Man munkelt, mit der gescheiterten Top-Kill Aktion, bei der mit hohem Druck über zwei Tage lang bis zu 13.000 Liter Schlamm pro Minute in das Bohrloch geschossen wurden, ist das Steigrohr beschädigt worden. Wie tief die Stelle liegt, ist nicht genau bekannt. Falls das Zutrifft, tritt das Öl unterirdisch in den umliegenden Meeresboden.
Dabei muss man sich die Dimensionen des Problems klar machen: 1500 Meter unter der Wasseroberfläche beginnt das Rohr, mindestens weitere 300m tiefer ist es – wie sich andeutet – beschädigt. Dort tritt das Öl mit ungeheurem Druck aus und verteilt sich kilometerweit im felsigen und schlammigen Meeresboden, aus dem es sich dann unzählige Wege suchen wird, um in den Golf zu gelangen. Niemand wird das je unter Kontrolle bekommen.
Es sind angeblich noch 95%-97% des Öls in der Quelle – wobei ich nicht weiß, ob die 100% ursprünglich oder seit dem Unfall gerechnet werden. Aber in absoluten Zahlen: geschätzte 7.000.000.000 Liter.
Die Top-Kill Aktion wurde nicht ohne Gründe erfolglos abgebrochen, einer davon können die verursachten Schäden am Steigrohr sein. Und BP hat auch nicht grundlos angekündigt, das vor August nichts unter Kontrolle ist.
Müssten sie das Gerücht bestätigen, würden sie es nur langsam in vollem Umfang ans Tageslicht kommen lassen. Niemand hätte den Mut es direkt auszusprechen und offen zu kommunizieren. Erst recht nicht in der Ölindustrie, die grundsätzlich gegen jede Nachhaltigkeit und informierte Konsumenten ist. Bei diesen Krisenmanagern kann es nicht nur eine Befürchtung sein, dass uns das Schlimmste bisher vorenthalten wurde – so funktioniert deren Kommunikationskultur. Geheimhaltung ist ihnen aber auch nicht möglich – die Öffentlichkeit wird seit Wochen sukzessiv mit dem gesamten Ausmaß konfrontiert. In dieser Manier wird es auch noch weitergehen, wahrscheinlich über Jahre.
Wie gesagt, es wird bisher nur gemunkelt. Weshalb auch noch nichts in den Mainstream Medien zu lesen ist. So wie es aussieht, kann das aber nur eine Frage der Zeit sein.
Auf der deutschen Wikipedia Seite gibt es bereits einen Abschnitt dazu.
Auf diesem Blog sind die andeutenden Statements und Interviews zusammengefasst.
Update: Die Methode, die jetzt genommen wird heißt Bottom-Kill, wobei neben der eigentlichen (fast 6000m tiefen) Bohrung weitere Bohrungen auf gut 5000m durchgeführt werden, über die dann das Steigrohr seitlich angebohrt wird, um hier direkt den versiegelnden Schlamm reinzudrücken. Dadurch wären theoretisch auch höher liegende Beschädigungen außer Kraft gesetzt. Fraglich ist, wie lange es dauert, dass 18cm breite Rohr in 4500m Tiefe zu treffen und wie viel Öl bis dahin im Meeresboden steckt. Wenn es fehlschlägt, bringt die Methode möglicherweise ein zweites Leck. So wie es aussieht, sind aber alle anderen Lösungsvorschläge (Absaugen, Top-Hat, Top-Kill) bereits gescheitert.
